Spirituelle Erfahrungen, Geschichten und Krisen.

Es gibt viele Geschichten aus unserer Selbsthilfebewegung , auch im spirituellen Kontext. Wenn ihr wollt, dann können diese hier veröffentlicht werden. Hier ein Erfahrungsbericht :

 

 

Wie helfen mir die Religionen, Anti-Psychiatrie, Pillen, Deutungen unser (spirituellen) Krisen, Meditation, Sehnsucht und Stille? Welchen Weg soll ich nehmen? Können Psychose-Inhalte "Schatten" unseres Egos sein, was will angeschaut werden in uns, was wollen diese uns sagen? Brauchen wir nur Bewegung und Ruhe? Fett durch die Medikamente und Meditieren, wie kann ich gesund abnehmen, ohne Hunger und ohne in eine Krise zu geraten? Was soll ich tun, um mit dieser Welt klarzukommen, was geschieht zurzeit auf unseren Planeten? Was ist meine Berufung, was sind meine Talente, Neigungen, Fähigkeiten, Interessen? Was kann ich noch, trotz oder gerade wegen einer psychiatrischen Diagnose? Wie kann ich noch glücklich werden?

Wir wollen unseren eigenen Weg finden, um Spiritualität zu leben, gerne mit Hilfe von Menschen, die den Weg uns voraus sind. Viele von uns haben gewisse spirituelle Erfahrungen gesammelt und wir wollen uns darüber austauschen. Wir sind uns auch der Untiefen bewusst, die dieser Weg auch mal haben kann.

Als erstes möchte ich Ihnen sagen, dass gerade Menschen mit seelischen Erschütterungen einen Zugang zu Spiritualität entwickeln können, es sei jetzt dahingestellt, was genau das für eine Krise gewesen ist und wie diese psychiatrisch einzuordnen ist. Doch da haben wir schon ein Problem: die psychiatrische Sprache kann Spirituelle Erfahrungen in ihrer Beschränktheit nicht fassen, da sie ihre Diagnosen nur auf die Symptome bezieht und dann ein Urteil = die Diagnose, stellt. Wir können nicht urteilen, oder, laut Jesus übersetzte Worte in der Bibel, sollen nicht urteilen, wir haben nun mal keinen objektiven Blick über die Gesamtheit. Erst recht nicht ein Psychiater, welcher nur 5-15 Minuten Zeit hat, ein Urteil zu fällen und die Diagnose sogar teilweise über die Erzählungen der Angehörigen fällt. Der Phantasie des Psychiaters sind keine Grenzen gesetzt, so der Hochstapler Gerhard Postel, welche sich eine um psychiatrische Oberarztstelle beworben hat und diese auch bekommen hat und einige Zeit praktiziert hat. Ein Auszug aus einer Geschichte: „Er flog als Jesus Christus nach Sri Lanka und kam als Buddha zurück und landete in der Nervenklinik.“ Die Person  überhaupt nicht mit den Ärzten über so etwas gesprochen, sondern nur gesagt, dass er Urlaub auf Sri Lanka gemacht hat und etwas drauf ist  durch die vielen Eindrücke.   (Lesen Sie sich den Satz mal richtig durch, dieser ist nicht nur zynisch, sondern auch völlig bekloppt).  Oder: „Das dem Patienten das rechte Bein weh tut, ist psychotisch.“ Dass das rechte Bein wehtat, weil das Linke gebrochen war und ich das Rechte beim Stehen überlastet habe, darauf kam die Psychiatrie nicht. Deswegen behaupte ich, dass Psychiatrie keine Wissenschaft ist! Vielleicht bin ich jetzt auch nicht objektiv und urteile aufgrund meiner schlechten Erfahrungen, doch ich höre so etwas nicht nur bei mir. Nun, mir ist auch bekannt, dass die Dokumentationspflicht der deutschen Psychiatrie übertreiben muss, damit der Seelisch krisengenervte  Mensch vielleicht seine Rente bewilligt bekommt.

Nun, zurück mit Menschen mit seelischen Erschütterungen  Natürlich können Menschen mit psychotischen Vorgeschichten „draufkommen“ wenn sie spirituelle Übungen praktizieren. Da ist die Frage, was kann einen Menschen gut tun in dieser Situation, was danach. Mit spirituellen Übungen meine ich Qi Gong, Thai Chi, Meditation usw. Da sehe ich einen Mangel an Menschen, die Menschen in Krisen beistehen können und zwar sehr engmaschig. Es gibt mittlerweile Experten aus Erfahrung, sogenannte EX–INler, also Menschen, die bestimmte seelische Krisen kennen und daraus wieder rausgekommen sind und eine Ausbildung als Genesungsbegleiter absolviert haben. Vielleicht hat das neue Bundesteilhabegesetz mit dem Peer Counseling da eine Lücke geschlossen. Doch diese Menschen brauchen nun mal auch eine Begleitung für ihre Begleitung . Dr. Alexander Poraj, Zen Meister aus Würzburg behauptet: „dass Menschen mit bestimmten psychischen Erkrankungen oftmals kein stabiles ‚Ich‘ entwickeln können und dadurch in bestimmten Situationen nicht präsent sind“. Stattdessen werden sie mit Bildern und Gefühlen derart überflutet, dass sie ihre Orientierung und Handlungsfähigkeit verlieren, was zu erheblichen Problemen mit sich selbst und ihrer Umgebung führen kann. Ich wollte das mal erwähnen.

Was Menschen in seelischen Krisen guttun kann, müssen diese, vielleicht mit Unterstützung, selbst rausfinden. Ich grenze da hier mal etwas ein: Bewegung, Therapie und Ruhe. Als erstes: Sport! Selbst dieses kann eine spirituelle Übung am Anfang sein. Einer meiner ersten regelmäßigen Übungen, ohne zu erkennen, dass dies auch eine spirituelle Übung sein kann, war ein Ergometer. Durch die nicht zu schnelle Bewegung auf dem Ergometer zu einem bestimmten Puls kam ich irgendwann in den Flow. Das bescherte mir wieder Glücksgefühle und nebenbei einen gesunden Kreislauf und ein ruhigeres Gemüt durch die Bewegung. Selbst der Dalai Lama rezitiert Mantras auf seinem Laufband. Dann sollte der Unterstützer oder der Mensch mit Krisenerfahrung vielleicht vorsichtig  mal schauen, ob ihm auch Ruhe, wie am Anfang ein kurzer Body Scan, autogenes Training guttun kann.  Wenn die Person auch stabil ist, warum nicht auch Thai Chi und Qi Gong, ich bin sicher, dass da viele Kräfte harmonisiert werden können. Doch dazu einen Satz von Maslow: Der Psychotiker und Mystiker schwimmen beide im Unbewussten, der Mystiker kann schwimmen, der Psychotiker geht unter. Anders gesagt, der Psychotiker ist auf einmal Kapitän eines Schiffes und weiß gar nicht, wie er das steuern soll und ist überwältigt von seinen Gefühlen, Emotionen und Eindrücken, der Mystiker hat das im Griff, doch auch die haben ihre Wahnvorstellungen…dazu finde ich, ist es hilfreich, wenn man therapeutisch, das dritte , das ‚Ich‘ des krisenerschütterten Menschen stärkt.

Zu meiner eigenen Geschichte und meinen Erfahrungen mit anderen Menschen in seelischen Krisen erzähle ich nun etwas aus meiner Lebensgeschichte. Ich hatte als Sechsjähriger auf dem Schulhof in einer Pütze eine Gideon Bibel gefunden und hatte dabei eine tiefe spirituelle Erfahrung. Eine ähnliche Erfahrung hatte ich wieder, als ich meinen Rektor ansprach, dass ich da etwas gefunden habe und ob ich das behalten kann, als er das sah.  Wie ich mich da verbunden fühlte, selbst mit meinen Mitschülern, die mich hänselten, das entschädigte mich für meine schwere Zeit in der Grundschule. In der Jugendzeit hatte ich wieder eine tiefe Erfahrung, als ich erkannte, wie grausam die Liebe sein kann und wie weh das tun kann und erkannt habe, was am Grund der Seele meines Bodens ist. Da hörte ich auch zum ersten Mal eine Stimme, die sehr liebevoll war und ich möchte diese auch nicht eingrenzen in „Engel“ oder „Gott“ o.ä. Sie war einfach da.

Dann driftete ich etwas ab und aufgrund meiner gescheiterten Beziehung hatte ich dann eine seelische Krise, die 10 Jahre lang anhielt. Dabei beschäftigte ich mich schon mit dem Zen Buddhismus und vor allen mit dem Yin und Yang Symbol. Hier fehlten mir klare Interpretationen und auch Zitate aus der Bibel legte ich verzerrt aus und wurde so verrückt. Hier wäre es gut gewesen, wenn ich jemanden an der Seite gehabt hätte, der mir mystische Schriften und andere klar und verständlich erklärt hätte und zwar nicht fundamental, sondern entweder theologisch und intellektuell und zusätzlich mystisch. Doch das können heute viele Theologen nicht vollständig und auch häufig im Beigeschmack des Machtverhaltes der Institution Kirche. Nun, ich meldete mich zu einen Thai Chi Kurs an und merkte auf einmal, was da für Kräfte in mir schlummern. Diese konnte ich nicht mehr kontrollieren und wollte mich freiwillig einweisen lassen, doch die Polizei erkannte nicht den Notstand, dass ich das ernst meinte, dass ich gleich meinen Verstand verliere. Ich sollte erst was anstellen, was ich dann tat, ich ging in eine Kur-Klinik und riss ein Bild von der Wand, somit hatte die Polizei einen Grund. Was die Psychiatrie draus gemacht hatte, war 6 Wochen Beschluss auf engsten Raum unter Menschen mit schweren unterschiedlichen seelischen Krisen unter Aufsicht eines Chefarztes, welcher für die Stasi gearbeitet hat und unter einen Oberarzt, welcher keine andere Meinung zuließ als seine, welcher später auch Chefarzt wurde. Ich war nach 2 Tagen wieder klar im Kopf, doch dort wurde ich nun für 6 Wochen festgehalten und einmal per Zwang niedergespritzt, weil ich nach Hause wollte. Dort unter all diesem Leid machte ich meine tiefste und langanhaltendste spirituelle Erfahrung, weil ich da wirklich alles aufgegeben hatte, oder besser gesagt, alles losgelassen habe, sogar mein Leben. Ich dachte wirklich, da komme ich nicht mehr lebend raus. Ich weiß, dass ich schon durch eine Psychose hatte und diese psychiatrisch auch richtig eingeordnet wurde, aber wie ich schon gesagt habe, sind die Urteile der Psychiatrie nur auf die Symptome bezogen und gehen nicht in die Tiefe. Das Spirituelle lässt sich nun mal nicht in Worte fassen. Erst durch die traumatischen Erfahrungen in der Psychiatrie verschlimmerte sich meine Symptomatik. Die Psychiatrie ignorierte meine Sehnsucht nach Stille nicht nur, nein sie deutete dies noch als Erkrankungssymptom ein. Meditieren sie bloß nicht, dann werden Sie wieder krank! Am 31.10.2009 war die Sehnsucht so groß, dass ich den Göttern in Weiß überhaupt nicht mehr vertraute und in ein Kloster zum Meditieren ging, welcher an diesem Samstag dies für einen Tag anbot. Vorher war ich für eine Woche in ein Franziskanerkloster und hatte erkannt, dass es doch noch Orte gibt, wo Menschen nicht als Krank bezeichnet werden, die eine Sehnsucht nach(?) spüren. Nach der Mediation war ich ein anderer Mensch und war glücklich und aus meiner Krise raus, die noch Reste von Traurigkeit hatte.  Dann schloss ich mich einer Gemeinschaft an, bei der ich heute noch bin und wo der Kontemplationslehrer erkannte, dass ich es ernst meine mit der Spiritualität und wurde sein Schüler bis heute, trotz meiner Diagnose. So etwas ist nicht üblich und er hat da viel Verantwortung übernommen und es freut ihm sehr, was daraus geworden ist.

Der Psychotiker und Mystiker, beide schwimmen im Unbewussten, nur der Mystiker kann schwimmen, lasst uns schwimmen lernen!

 

 

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